Flying South

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Bevor wir uns geradewegs auf den Weg nach Süden gemacht haben, haben wir uns Kolmanskop angeschaut, eine Geisterstadt, in der Anfang des 20. Jahrhunderts Diamanten abgebaut wurden. Nach ein paar Jahrzehnten waren aber auch all die Diamanten gefunden und der Tross zog weiter. Also waren auch für uns keine Diamanten mehr übrig. Nun ist es ein Paradies für den Freund der Fotografie und auch ansonsten ziemlich beeindruckend, weil die Gebäude relativ gut erhalten sind. Am beeindruckendsten war die Villa vom Obermotz. Da hätte man unmittelbar einziehen können, nur die Wände hätte man streichen müssen und ein wenig Sand entfernen. Vielleicht auch noch ein wenig mehr, aber die Substanz war voll in Takt. Ich glaube so wird heute nicht mehr gebaut.

L1000381L1000377 L1004899L1004926L1004944L1004937Und dann noch die motzenden Walentin’s vor dem Haus des Obermotz. Gut, dass wir hier waren. Haken dran. Weiter gehts, Kilometer schrubben und immer schön lächeln.

L1000409480 Kilometer waren es am heutigen Tag. Davon immerhin ein paar hundert auf asphaltierter Straße. Das Problem mit asphaltierten Straßen in Namibia ist ihre Gradlinigkeit. Je grader die Straße, desto schneller ergreift einen die Müdigkeit und da ist es eigentlich egal, ob man gerade erst aufgestanden ist, oder schon ein paar Stunden hinterm Steuer sitzt. Das heißt, man muss zwischendurch mal Pause machen und den Charme von Rastplätzen in Namibia auf sich wirken lassen.

L1000357Nach knapp über 400km haben wir dann endlich in der Ferne den sich in Südafrika befindenden Richtersveld Nationalpark gesehen, unser Ziel für den heutigen Tag.

Am Ende der Straße liegt der Oranje River, den man, wenn nicht gerade das Wasser zu hoch ist, mit einer kleinen Fähre überqueren kann, um dann den Fuß auf südafrikanischen Boden zu setzen. Bevor wir allerdings Namibia verlassen durften, wurden wir, bzw. Humphrey, erstmal ordentlich gefilzt. Wir wissen nicht, ob es daran lag, dass wir gegen 14 Uhr erst das zweite Fahrzeug waren, welches an diesem Tag vor hatte, hier die Grenze zu überqueren, oder ob es andere Gründe hatte.

Der gute Grenzer fing also an, unser Auto zu durchsuchen und wir fragten ihn, was er denn suchen würde. Diamanten! Na klar. Wir Idioten, hatten wir ganz vergessen zu finden. Der Grenzer in unserem Auto machte jedes Fach und jede Tasche auf und wühlte mit seinen Griffeln in allem herum. Dann teilte er uns noch mit, dass Messer, die so lang seien wie sein Zeigefinger nicht ausgeführt werden dürften. Das Problem war nur, dass seine Hände zwar dick und knubbelig waren, aber alles andere als groß, wonach wir mein gutes Pfadfinder Bowie Messer, welches seit 35 Jahren in meinem Besitz ist, als auch unser großes Küchenmesser, hätten abgeben müssen. Wir haben die Ansage einfach mal ignoriert. Dann fand er endlich die Kugelschreiber im Handschuhfach, fast so wertvoll wie Diamanten. Daraufhin hielt er zwei Kugelschreiber hoch und fragte ganz verwundert, in welcher Farbe sie denn schreiben würden. In dem Moment war klar, dass der gute Herr gerne ein paar Kugelschreiber haben wollte. Der Navigator, erfahren im gute Laune verbreiten an Grenzen, fragte dann gleich, ob er denn einen Kugelschreiber haben wolle. Daraufhin der Grenzer: Er dürfe ja nun wirklich nicht darum bitten, aber wenn wir ihm welche anbieten würden, dann würde er sie annehmen können. Daraufhin folgte die Diskussion um die Menge. Er hatte wohl noch nicht so viele Kinder, wie er gerne Kugelschreiber hätte haben wollen, aber dafür hat er dann angefangen, die Kinder seiner Verwandtschaft in seine Kalkulation einzubeziehen. Nun gut, das Schema ist immer das gleiche. Also ein paar Kugelschreiber in die Hand gedrückt und dann durften wir endlich, mit sieben Tonnen Diamanten im Gepäck, Namibia verlassen und nach Südafrika einreisen.

L1000443L1004964L1004969Nachdem wir das ganze Prozedere der Immigration in Südafrika hinter uns gebracht hatten und den Permit für den Nationalpark erworben hatten, konnten wir auch endlich in den Park fahren. Der Richtersveld Nationalpark ist nicht mehr und nicht weniger als eine Steinwüste. Genau das Richtige bei 40 Grad. Die erste Campsite war dem Fahrer nicht gut genug, also dann doch noch zu der Campsite, die wir eigentlich erst am nächsten Tag erreichen wollten. Solche Unterfangen, am Ende eines schon langen Tages, führen dann zu kleinen Rallye Einlagen durchs Gebirge. Man will ja jetzt endlich mal ankommen. Also ging es noch mit aktivem Untersetzunggetriebe und Difflock aktiviert über den Halfmens Pass, den Akkedis Pass und zwischendurch wurde durch die Ebenen geheizt, um über die Buckelpiste zu schweben. Der Akt hatte sich aber gelohnt, weil unsere Campsite direkt am Oranje River lag und so ein bisschen Wasser ein angenehmer Kontrast in der Steinwüste ist.

L1005011L1004987L1004980L1000453Am nächsten Morgen haben wir dann bei wunderschönem Licht den Richtersveld genossen und sind bergauf und bergab gefahren. Darunter der besonders beeindruckende Domorogh Pass. Mit gutem Licht und frischer Morgenluft in der Höhe macht alles viel mehr Spaß.

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Irgendwann hatten wir dann aber genug und da wir noch ein paar Kilometer vor uns hatten, haben wir uns entschieden, den Park zu verlassen. Aus welchen verklärten Gründen auch immer sind wir davon ausgegangen, auf gute Infrastruktur zu treffen sobald wir den Park verlassen. Wir sind ja schließlich in Südafrika. Nur leider haben wir uns da ein klein wenig geirrt. Was folgte, war keine Straße, sondern ein Acker. Wer und wann auch immer im Westen aus dem Richtersveld herausfährt, niemals Richtung Süden über Ecksteenfontein fahren. NIEMALS. Die ca. 70km in dieses Kaff waren ein Albtraum. Der Höhepunkt war eine Querstraße, die nicht zu erkennen war, aber leider doch 10 Zentimeter höher lag und da kann man bei 70km/h froh sein, das Humphrey so ein Tier ist und das wegsteckt. Irgendwann auf dieser Strecke ist der Fahrer ausgerastet und hat in einer nicht enden wollenden Tirade die Straße verflucht. Fand der Navigator gar nicht gut.

L1005032 L1005033Rastplätze können sie in Südafrika auch nicht. Sollten sich mal ein Beispiel an Namibia nehmen. 🙂 Aber als wir dann abends unser nächstes Lager aufgeschlagen hatten, das Feuer brannte und die Glut unser Fleisch grillte, war die Welt wieder in Ordnung.

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