A Piece of Advice

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Nach dem, genau, obligatorischen Latte Macchiato, haben wir uns auf den Weg durch die Khowarib Schlucht gemacht. Die Idee, durch die Khowarib Schlucht zu fahren, haben wir uns von der Land Rover Experience Tour geschnappt. Diese fährt nämlich genau eben durch diese Schlucht und da dachten wir uns, kann schon so schlecht nicht sein und ein wenig Off-Road Abenteuer ist genau das, warum wir hier sind. Natürlich haben wir auch eben diese Land Rover Experience Tour, die aus Wülfrath, also dort wo wir unser Fahrtraining absolviert haben, auf der Campsite getroffen. Zufälle gibt es.

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Wie das aber so ist, wenn man noch nicht als der Ober-Chabo auftritt und der Meinung ist, jede Strecke dieser Welt meistern zu können, fragt man nach. Das habe ich zumindest getan. Bei anderen Touristen, die man getroffen hat, und bei den Guides der Lodge. Ich dachte mir, je mehr Infos ich habe, desto besser, desto sicherer ist es. Nur leider ist das mit Informationen immer so eine Sache. Da bin also zuerst ich, derjenige, der nachfragt. Leider ist aber Nachfragen in der Wahrnehmung vieler, ein Zeichen von Schwäche, Unsicherheit oder dergleichen. Das heißt in der Wahrnehmung vieler, ist dort ein Raum, der ausgefüllt, besetzt werden kann. Dieser wird dann meist nicht mit Intelligenz ausgefüllt, sondern mit Darstellung, in der Regel Eigendarstellung. Das hat natürlich schon ab diesem Moment nichts mehr damit zu tun, dass ich eine Information erhalten wollte, sondern mit etwas ganz anderem. Leider ist man immer erst im Nachhinein in der Lage, den Wert der Information und das Ausmaß des Unvermögens des Senders zu beurteilen. Womit wir bei dem Erlebten sind.

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Von „immer schön Gas geben, sonst bleibst du in dem weichen Sand stecken“, über „wir fahren da schon gar nicht mehr lang“, bis zu „weißt du was ein Difflock ist.“ haben wir noch eine Menge breite Brust und sinnlose Ratschlage anhören und ansehen müssen. Wie aber gesagt, meist kann man die Information immer erst im Nachhinein beurteilen. Das heißt, wir sind am Morgen mit einem recht ungewissen Gefühl, ob dem was uns da erwarten wird, losgefahren. Ganz zu Anfang gab es eine sehr schöne Steigung, in der Humphrey mal wieder zeigen konnte was er drauf hat, aber die war auch schneller gemeistert als die Idee, dass wir mal von solch einer Situation ein Photo machen sollten.

Es ging also weiter durch ein von Geländewagen durchgepflügtes Gebiet in dem es, ja, viel Sand gab und viele tiefe Spurrillen, die aber mit einem gescheiten Geländewagen keinerlei Herausforderung darstellten. Das mit in dem Flussbett fahren haben wir auch nicht verstanden, weil wir immer das Flussbett gekreuzt haben und die Tracks links und rechts vom Bett gefahren sind. Von denen weiß man aber höchstwahrscheinlich nichts, wenn man nicht gut genug recherhiert hat. So hat es viel mehr Spaß gemacht. Dabei ist uns aufgefallen, dass die meisten wirklich einfach nur durch das Flussbett heizen, aber das ist bedingt langweilig.

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Und ehe wir uns versahen, haben wir die Schlucht hinter uns gelassen. Eigentlich waren wir noch im „mal gucken was noch kommt“ Modus, aber da kam nichts mehr. Nichts, dass in irgendeiner Art und Weise herausfordernd gewesen ist.

Trotzallem, bleiben wir lieber die Idioten, die nachfragen, weil wir haben damals bei der Sesamstraße aufgepasst.

Auf dem Weg gab es natürlich wieder ein paar Polaroids zu verschenken. Im Gegenzug haben wir geschnitze Holzfiguren erworben.

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Wir sind dann nicht wie die meisten durch den weiteren Verlauf des Khowarib gefahren, sondern weiter nördlich durch nicht so spannendes, aber doch unterhaltsames Backcountry. Jede Menge Bauern, viele Stellen, an denen die Erde von Fahrzeugen durchgewühlt wurde und man sich durch den Sand geackert hat. Ich hatte einen Anflug von Paris-Dakkar beim Fahren, das hat sich gut angefühlt. Doch noch mal sei erwähnt, auf der ganzen Strecke gab es nicht eine einzige Stelle, bei der man nicht hätte einfach anhalten können und ohne Probleme wieder weitergefahren wäre, mal abgesehen von der ersten kleinen Steigung gleich nach der Campsite.

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Der Navigator hat sich in der Zwischenzeit den gegebenen Umständen angepasst und ist während der sehr staubigen Angelegenheiten inkognito unterwegs gewesen. Ist aber keinem weiter aufgefallen und die Maske wurde vor etwaigen Kontrollen, oder dem Durchqueren des Veterinärzauns, abgelegt.

Womit wir bei eben diesem Zaun wären, auch Red Line genannt. Fleischdemarkationslinie. Das ganze wurde im südlichen Afrika installiert, nachdem der gute Deutsche in seinem damaligen Wunsch sein Territorium zu erweitern, auch die Rinderpest mitgebracht hat. Vielleicht war sie auch schon vorher da, aber Fakt ist, dass der gute Europäer die Krankheit nach Afrika geschleppt hat. Gratis, neben all den anderen Wohltätigkeiten, die er im Schlepptau hatte. Da der gute Deutsche die Rinderpest eindämmen wollte, hat er auf einer Karte eine rote Linie gezogen, von daher Red Line, und einen Zaun gebaut. Von Namibia, durch Botswana bis durch Teile von Zimbabwe. Soll ich noch erwähnen, dass während der Apartheid und der Zeit als Südafrika über Namibia geherrscht hat, der Zaun auch dazu genutzt wurde, Teile des schwarzen Afrikas vom überwiegend weißen Afrika fernzuhalten? Naja, wir wissen ja alle zu welchen Großtaten unsere Art fähig ist.

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Diesen Zaun gibt es im Grunde noch heute. In den 60’ern diente er dann dazu, das südliche Afrika vor der Maul- und Klauenseuche zu schützen und genau das macht er noch heute. Wenn man also diese Red Line durchqueren möchte, kommt man an eine Kontrollstation, an der das Fahrzeug nach Fleisch durchsucht wird. Wie wir im Nachhinein gelernt haben, geht es darum zu verhindern, dass frisches Fleisch aus bestimmten Regionen nicht in den „Süden“ eingeführt wird. Bei den Kontrollen wird dann aber auch immer mal wieder über das Ziel hinausgeschossen. So gibt es zum Beispiel die Situation, dass der Airstrip nördlich vom Zaun liegt, mit dem Flieger viele Kilo frisches Fleisch (verschweißt, versiegelt und aus dem Süden kommend) eingeflogen werden, das dann südlich vom Vet Fence seine Bestimmung hat, ergo diesen wieder überschreiten muss. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, ist es nicht ungewöhnlich, dass man das eine oder andere Stück Fleisch abgeben muss, damit man den Rest mitnehmen darf.

Da wir uns strikt an die Regeln gehalten haben und auch nichts Eingeschweißtes von A nach B transportiert haben, hatten wir im Grunde auch keine Diskussionen, doch war nach dem Hallo, die erste Frage des Beamten am Vet Fence, ob ich denn für ihn etwas zu Weihnachten hätte. Vielleicht etwas zu trinken. Hatte natürlich nichts, schon gar nicht im November. Weihnachten? Hey, ich habe doch eine Sofortbildkamera dabei und bin gleich mal raus und habe ihm ein Bild von ihm geschenkt. Musste er gut finden, aber Alkohol wäre ihm doch lieber gewesen.

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Nachdem ich noch die Kinder von ein paar anderen Beamten fotografiert habe, merke hier arbeitet immer gleich die ganze Familie, kam der gute Beamte dann noch mal zu mir und fragte dann direkt nach. „Er sei krank und würde den Alkohol benötigen.“ Woraufhin ich zu ihm meinte, dass dies vielleicht der Grund für die Krankheit sei. Sein Kollege der das mitbekam, musste laut lachen.

Es gibt noch eine andere Angewohnheit, die sich die Menschen hier irgendwie angeeignet haben, die zumindest für uns ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Ich rede hier von dem ungenierten Fragen nach mehr. Es kam mehr als einmal vor, dass sich zwei Personen, Freundinnen, Brüder, was auch immer, zusammengestellt haben und zusammen fotografiert werden wollten. Das habe ich natürlich gemacht und prompt kommt darauf die Nachfrage, dass sie noch eines haben wollen. Auch wenn in der Sache eine gewisse Logik ist, weil ja nur einer das Photo mitnehmen kann, war und ist es für uns schon sehr befremdlich, wenn man jemandem etwas schenkt und dieser mit dem Geschenk noch nicht wirklich zufrieden ist und mehr haben will. Macht nicht gerade sympathisch, aber irgend ein Idiot ist damit wohl vor langer Zeit gut gefahren und hat dieses Meme verbreitet.

Nach der Inspektion sind wie wieder ins Auto und kurz darauf haben wir, nach ca. 1.200 Kilometern über „Stock und Stein“ als auch viel Sand, wieder Asphalt vor uns gehabt. Das war irgendwie ein wenig traurig, weil damit ein Kapitel unserer Reise sein Ende fand. Im Gegenzug dafür, waren wir kurz darauf, in einem der größten Zoos der Welt, doch das folgt als nächstes.

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