A long way home

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Nachdem wir die einzig richtige Entscheidung getroffen hatten, zurück nach Chile zu fahren und Humphrey von dort zu verschiffen, freuten wir uns auf die Dinge, die wir nicht gesehen hätten, wenn wir weiter nach Norden gefahren wären. Als erstes wäre da Arequipa, die zweitgrößte Stadt in Peru, direkt an einem Vulkan gelegen. Eine wunderschöne Stadt, gegründet 1540, welche während der spanischen Kolonialzeit sicherlich ihren Charakter erhalten.

Wir waren pünktlich zum Gründonnerstag in der Stadt und alles hat sich auf das abendliche Fest vorbereitet. In der Innenstadt haben wir bereits am Vormittag die ersten Vorboten gesehen, die auf uns den Eindruck machten, als ob sie ihren Platz auf der Straße reservierten, an dem sie dann ihre Küche, Tische und Bänke aufbauten. Am frühen Nachmittag wurde dann aufgebaut und kurz bevor die Sonne unterging, wurden die Küchen angeschmissen und die Straßen haben sich gefüllt. Natürlich startete die Party erst nach dem Besuch in einem der unzähligen Gotteshäuser der Stadt.

Das Beeindruckendste an Arequipa ist das Kloster Santa Catalina. Im 16. Jahrhundert erbaut, liegt es mitten in der Stadt. Es ist wie eine kleine Stadt in der Stadt, eingezäunt von riesigen Mauern. Das Kloster hat sich schon vor etlichen Jahrhunderten darauf verstanden, ein gutes Geschäftsmodell zu etablieren: Zu der Zeit, als es noch üblich war, dass die zweitgeborene Tochter oder der zweitgeborene Sohn sein Leben der Kirche widmen musste, hat sich das Kloster auf die sehr wohlhabenden Familien fokussiert. Die „Clubmitgliedschaft“ hat für damalige Verhältnisse ein Vermögen gekostet. So mussten die Familien nicht nur tief in die Tasche greifen, sie mussten ihre Tochter auch noch mit allerlei wertvollen materiellen Dingen auf die Reise schicken. So kommt es, dass man heutzutage im Kloster jede Menge alte, wertvolle Kunstgegenstände bestaunen kann. Heutzutage werden nur noch 20% des Klosters von Nonnen bewohnt, den restlichen Teil kann man besichtigen, natürlich nicht ohne ein ordentliches Eintrittsgeld zu zahlen. Das ist es aber auf alle Fälle wert, weil sich jeder Hof, jede Passage, in seiner eigenen Farbe darbietet. Die Höfe sind liebevoll gestaltet und verziert, man kann die Zimmer, Bäder und Küchen betreten und bestaunen. Man spürt noch immer, was für eine Oase dieser Ort in der damaligen Zeit gewesen sein muss.

Das Kloster ist wirklich ein besonderer Ort, den man sich unbedingt anschauen muss, falls man irgendwann mal hier in der Gegend sein sollte. Doch nicht nur das Kloster hat uns an Arequipa gefallen, die peruanische Haute Cuisine hat ihren Weg von Lima nach Arequipa gefunden, so dass man hier vom feinsten schmausen kann. Ebenso gibt es richtige Coffeeshops, in denen man eine gute Auswahl an Bohnen hat und wir sind wieder der einen oder anderen Person begegnet, die lächeln konnte.

Ein paar hundert Kilometer später haben wir die peruanisch-chilenische Grenze überquert. Wieder hatten wir keinerlei Probleme an der Grenze, es wurde nur ein spärlicher Blick ins Auto geworfen, weil der Navigator mal wieder seinen Charme einsetzte.

Sobald wir wieder mit Humphrey in Chile waren, haben wir uns irgendwie erleichtert gefühlt. Wir hatten den Eindruck, dass die Landschaft uns unmittelbar besser gefiel. Ganz zu schweigen von den erheblich besser ausgebauten Straßen und der Abwesenheit von Menschen. Vielleicht haben die Chilenen damals, als sie einen dieser Kriege hier geführt haben und auf dem Weg nach Hause waren, genau das Gleiche gefühlt und daher genau hier die Grenze gezogen. Bei uns kam auf alle Fälle wieder dieses Gefühl von Freiheit auf, das Gefühl mit Humphrey durch entlegene, schöne Wüsten zu fahren, in denen Kunst mitten im Nirgendwo vorzufinden ist, und draußen in der Wildnis zu campen.

Es ging noch einmal durch den wunderschönen Parque Nacional Pan de Azucar, in dem die abendliche Sonne das Gestein magisch beleuchtet, und die Fahrt durch den Park einfach nur ein wunderbares Schauspiel ist. Die Nacht verbrachten wir dann wieder am Strand, dort wo wir auf unserer Tour in den Norden schon einmal übernachteten. Wir waren wieder mit der Welt versöhnt und im Reinen.

Ein paar Tage später haben wir Humphrey in den Container gefahren, nicht ohne dafür einen ganzen Tag zu benötigen. Ich erspare mir hier, von der Bürokratie und dem Schildbürgertum zu berichten. Am Ende ist Humphrey aber sicher und gut in Hamburg angekommen, von daher kein Grund zur Beschwerde.

Da wir nun letztlich weniger Zeit in Südamerika verbracht hatten, als eigentlich geplant, ergab sich die Möglichkeit, die Heimreise über ein paar Zwischenstationen anzutreten. So sind wir also in der Karibik auf Grenada gelandet, um dort von unserem Freund Tom in Empfang genommen zu werden. Tom hat vor einer Weile entschieden, seinen Lebensmittelpunkt auf ein Boot und dieses in die Karibik zu verlagern. Wie praktisch für uns.

So sind wir dann bei recht steifer Brise von Insel zu Insel geschippert und sind beide das erste Mal während unserer Reise richtig runtergekommen. Vermutlich, weil Tom und nicht mehr wir die Verantwortung trugen, wir nicht mehr planen mussten, sondern uns ganz entspannt in der ziemlich entspannten Karibik haben treiben lassen.

Das Ganze passte hervorragend in unseren Gemütszustand: leckeres Essen, gar keine Hektik, natürlich türkises Wasser, wunderschöne Strände und ganz viel Abhängen. Abgesehen von einer recht rauhen nächtlichen Überfahrt nach St. Lucia hielt sich die Aufregung in Grenzen und wir waren sehr dankbar dafür. Tom waren wir sehr dankbar dafür, dass er uns knapp zwei Wochen lang einen Platz in seinem Boot eingeräumt hat.

Nach all dem ging es dann für uns wieder zurück in den ganz normalen Wahnsinn. Was haben wir uns darauf gefreut. Eine Woche New York. Lärm, Gestank, Menschen, Kommerz und vor allem ein unglaublicher Überfluss, den wir in all den Monaten zuvor nicht vermisst hatten.

Nach fünf Monaten auf Reisen sind wir dann wieder zu Hause angekommen. Was bleibt, ist ein Fazit zu ziehen, Zahlen zu nennen, unsere Reiseroute auf einer Karte zu zeigen und natürlich davon zu berichten, was das Alles denn eigentlich mit uns gemacht hat, wenn überhaupt. Das Alles aber dann im letzten Bericht, der hier hat schon von genug verschiedenen Ländern und Städten berichtet.

2 Gedanken zu “A long way home

  1. Vielen Dank für die tolle Reise, auf die ich mich durch diese Berichte immer ein Stück mitgenommen fühle.
    Früher las ich Geo, heute Humphreys Abenteuer.

    Gruß aus Hamburg,
    Rüdiger Hochbrügge

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