Hiking Patagonia

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Um der Gefahr von Unterbeschäftigung während unserer Zeit in Patagonien vorzubeugen, sind wir in dieser bisher knapp 200 Kilometer gewandert und sind dabei knapp 9000 Meter bergauf und diese auch wieder bergab gelaufen. Dabei haben wir mal wieder ein bisschen was über andere und natürlich über uns gelernt.

Parque Nacional Conguillío – Sendero Sierra Nevada

Die erste Erkenntnis ist, dass wir egal was wir machen, uns irgendwie im Wettbewerb befinden. Das Ganze fängt damit an, dass wir unsere Wanderungen mit unserem GPS aufzeichnen. D.h. wir wissen wieviele Kilometer wir laufen, wann und wie schnell, die durchschnittliche Geschwindigkeit, wieviele Höhenmeter und natürlich, wie lange wir am Ende brauchen – und genau da liegt das Problem. Es geht um Zeit. Es geht natürlich um eine gute Zielzeit. Für wen, wissen wir in dem Moment natürlich noch nicht, aber die Karotte hängt vor unser Nase und wir keulen mal los. Besser schnell denn langsam. Geht ja um die Zielzeit. Es geht darum, schnell fertig zu werden, es zu erledigen, am besten mit einer Auszeichnung. Auch hier weiß keiner warum, aber wir machen das mal so.

Das Ganze bekommt noch einmal eine andere Dimension, wenn andere Wanderer vor einem laufen. Die muss man natürlich überholen. Damit man am Ende des Tages sagen kann, dass nur die drei verrückten Zwanzigjährigen oder die zwei Bekloppten, die den ganzen Trail rennen mussten, schneller waren? Schön bekloppt, aber so sind wir nun mal. Immer im Wettbewerb.

Lago Epuyen – Sendero La Condorera

Die nächste Erkenntnis ist, dass der „gemeine“ Südamerikaner in einer anderen Zeit lebt als wir. Morgens um sieben, acht Uhr trifft man nur Europäer und Nordamerikaner. Wenn also der Leistungsorientierte und Getriebene auf den Hike geht, schlafen die heimischen Wanderer noch seelenruhig. Wenn wir dann bergab gehen, dann kommen uns diejenigen entgegen, die wesentlich entspannter sind als wir. Wenn wir dann abends in der Koje liegen, in dem Fall auf dem Campingplatz in Humphrey, fragen wir uns, warum der „gemeine“ Südamerikaner, um 23:00 Uhr direkt neben Humphrey Fussball spielen muss. Liegt wohl daran, dass die letzten Fetzen Licht am Himmel sind. Und wir fragen uns dann, warum wir morgens um sieben auf dem Trail sein müssen, wenn der Tag 17 Stunden Tageslicht zu bieten hat?

Jetzt könnte man vortrefflich darüber diskutieren, ob es denn Sinn macht, im Urlaub, in der Freizeit – es wandert ja keiner von uns beruflich – selbst beim Wandern so leistungsorientiert zu sein, mit allem was dazu gehört. Vielleicht sind wir einfach schon so dermaßen konditioniert, dass wir nicht mehr anders können.

Wir sind zwar inzwischen beim Wandern ein wenig besser geworden, entspannter, aber die Mechanismen gehen immer wieder an, ganz automatisch. In der Zwischenzeit haben wir unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beim Wandern von ca. 3 km/h auf 4 km/h optimiert. 😉

Parque Nacional Los Glaciares – Sendero al Fitz Roy

Dann mussten wir feststellen, dass wir definitiv Schönwetter-Wanderer sind. Es ist uns komplett unverständlich, wie man auch nur ansatzweise Freude daran empfinden kann, im Regen, ohne Licht, ohne Sonne, durch eine fahle Landschaft zu latschen. Ohne Sonne sind die müden Knochen steif, der Wind bläst einem bis ins Mark und irgendwie macht das Ganze wirklich keinen Spaß.

Vielleicht ist es aber auch schon eine unglaubliche Weiterentwicklung unsererseits, dass wir bei schlechtem Wetter keine Leistung bringen müssen. Oder wir sind einfach faule alte Säcke, die bequem geworden sind.

Wenn man an solchen Tagen dann trotzdem unterwegs ist, keine Ressourcen mehr zur Verfügung stehen, die nächste Fähre, um einen aus diesem Dilemma zu erlösen, erst in vier Stunden fährt, dann weiß man, dass Unabhängigkeit unbezahlbar ist und 20 zu sein auch, zumindest wenn es ums Wandern geht.

Parque Nacional Torres del Paine – Sendero Lago Grey

Wir haben uns natürlich auch darüber Gedanken gemacht, was einen guten Hike/Trail ausmacht. Wir hatten Trails, auf denen wir mehr oder weniger alleine unterwegs waren, und Trails, wie zum Fitz Roy oder zum Torres, auf denen sich Massen durch die Natur geschoben haben. Es gab Trails auf denen man mehr oder weniger die ganze Zeit eine tolle Aussicht hatte, und welche, bei denen eigentlich nur das Ziel der Grund für den Weg ist. Es gab Wanderungen, die ein tolles Profil hatten, und es einem leicht gemacht haben, egal wie anstrengend es war. Es gab aber auch Trails, bei denen wir nach 20km noch einmal zwei Kilometer über eine ausgefahrene Buckelpiste mit losen Steinen steil bergauf laufen mussten, nur um wieder zurück zu Humphrey zu kommen. Das braucht kein Mensch, das macht dann auch keinen Spaß mehr.

Für uns ist definitiv der wichtigste Aspekt, wie sehr wir uns mit der Natur verbinden können und das geht nur, wenn wir mit der Natur allein sein können.

Parque Nacional Los Glaciares – Sendero a Laguna Torre

Das Ganze kann man natürlich nur einordnen und visualisieren, indem man ein Tabellenkalkulation erstellt. Was wäre auch eine Reise, ohne dass man etwas bewertet und das dann in schöne Formeln packt. Nichts! 😉

Wie man der Liste entnehmen kann, sind die Hikes mit einem 20´ Rating, die wir auf alle Fälle noch einmal gehen würden und jedem empfehlen können.

Das sicherlich spektakulärste Target waren die Torres im Parque Nacional Torres del Paine. Das Ganze bei bestem Wetter.

Wie man der Liste auch entnehmen kann, sind da noch zwei Hikes aufgeführt, die hier keinerlei Beachtung finden. Das einzig aus dem Grund, weil wir dem Parque Nacional Patagonia einen eigenen Post widmen werden, weil es bisher eines der absoluten Highlights unserer Reise war. Dazu dann im nächsten Post mehr. Bis dahin wandern wir mal lustig weiter.

Update: Wir haben inzwischen unsere erste Wanderung unternommen, ohne diese Aufzuzeichnen und es ging nicht mehr um Geschwindigkeit, sondern um eine gute Zeit.

Parque Nacional Torres del Paine – Sendero Base de las Torres

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